Wie viel Zeit hast Du, deine Träume zu verwirklichen?

Je mehr sich das Internet zu einem sozialen Raum wandelt, je mehr kommunizieren wollen, anstatt zu informieren und je mehr kommunizieren, anstatt sich zu informieren, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, nicht mehr aus dem virtuellen Dorf, zu dem die Welt geworden ist, hinauszufinden. Dabei gibt es noch so viel zu entdecken, vor allem sich selber.

Erkennen, worum es (mir) geht

Besonders in den letzten Monaten scheinen die Tage nur so dahingeflogen zu sein: Aufstehen, Dusche, Kaffee, Arbeit, Abendessen, Fernsehen, Lesen oder Musikhören. Schon wieder ein Tag um. Bald ist ja Wochenende und dann kann ich mich endlich wieder einmal hinsetzen und schreiben und einen langen Spaziergang mit dem Hund machen und einkaufen und etwas unternehmen und kochen. Und schon wieder Montag.

Wenn der Tag doch nur mehr als 24 Stunden hätte. Bullshit. Wenn doch das Wochenende nicht nur zwei Tage lang wäre. Bullshit. Statt sich selbst den Märchenonkel mit “hätte, könnte, wäre, wenn und aber” zu spielen, bin ich auf Jagd gegangen. Im Visier: garstige Zeitfresser, die mich davon abhalten, zu tun, was ich wirklich tun möchte: Schreiben.

Zeitfresser identifizieren

Mir ging es nicht darum, Dinge zu verdammen, die mir Spaß machen. Ich wollte mich nicht selbst geißeln. Wenn ich aber nur 24 Stunden habe und das Ziel zu Schreiben klar ist, dann helfen nur ein paar einfache Rechnungen:

24 Stunden Zeit – 7 1/2 Stunden Schlaf = 16,5 Stunden
16,5 Stunden – 8 Stunden Regelarbeitszeit = 8,5 Stunden
8,5 Stunden – 3,5 Stunden tägliche Pflicht (Körperpflege, Fahrt zur Arbeit, Nahrungsaufnahme etc.) = 5 Stunden
5 Stunden – 1 Stunde sozialer Kontakt (Persönliche Gespräche mit meiner Freundin, Anrufe, Gassi gehen mit dem Hund etc.) = 4 Stunden

Wenn es mir wirklich ausschließlich um das Schreiben geht, so habe ich dafür also vier Stunden am Tag zur Verfügung. Sehr grob gerechnet. Das ist ein halber Arbeitstag eines professionellen Schriftstellers. Eigentlich genug Zeit, um seinen Traum zu verwirklichen.

Wären da nicht die E-Mails, die ganzen brav abonnierten RSS-Feeds, Twitter, Facebook, XING – der gesamte soziale Buzz. Und noch ein wenig Fernsehen oben drauf.

Damit verbringe ich keine Stunden, viel mehr viele Minuten. Denn bei mir war es vor allem bisher “mal eben checken”, nicht: “Ich setze mich einmal zwei Stunden hin”. Bei vielen kleinen Abbuchungen kann man leicht den Überblick auf seinem Zeitkonto verlieren.

Ohne Dispo rechnen

Auf meinem Konto habe ich einen Dispokredit zur Verfügung. Auf meinem Zeitkonto nicht. Also passiert folgendes: Was auch immer ich schaffen will, ich mache es am nächsten Tag. Oder auch nicht. Dann den Tag darauf und je später desto nie.

Meine Informationsdiät

Von Timothy Ferriss kommt der Rat zu einer “Low Information Diet”. Und diese habe ich mir verordnet:

Ich habe mir zwei Zeitfenster pro Tag mit jeweils zehn Minuten eingerichtet. Die Abfolge halte ich streng ein, um die für mich wesentlichen Dinge auch in der Zeit zu schaffen:

  1. E-Mails schreiben und beantworten
  2. Meine Twitter-Timeline ansehen
  3. RSS-Feeds lesen
  4. Neuigkeiten bei Facebook prüfen

Zusätzlich konzentriere ich Telefonate auf Autofahrten, natürlich mit Freisprecheinrichtung, so dass ich Fahrzeit effizient nutzen kann. Mittlerweile nehme ich mir auch die unfassbarste Beleidigung des Informationszeitalters heraus: Ich gehe ab und an nicht ans Telefon, wenn es nicht beruflich oder besonders wichtig ist. Vieles kann auch später geklärt werden, große Dramen passieren selten.

Zusätzlich selektiere ich meinen Fernsehkonsum. Kein wahlloses Hin und Her-Schalten mehr. Ich schaue vorher, was kommt, nehme gegebenenfalls auf, was interessant klingt und limitiere meinen Konsum auf die Sendungen, die mich wirklich interessieren.

Taten, nicht Worte

Auch für jemanden, der schreiben will, zählen Taten, nicht Worte. Selbst, wenn ich alle Zeitfresser so gut es geht verbannt habe, die freigeschaufelte Zeit muss ich auch nutzen. Deswegen setze ich mich so oft es geht hin und arbeite an meinen Texten. Selbst, wenn es die Konzentration nicht mehr zulässt, ein paar Notizen oder etwas digitale Aufräumarbeit geht fast immer. Erst wenn aus der Disziplin Regelmäßigkeit wächst, komme ich meinem Traum einen Schritt näher.

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Ein Kommentar

  1. Melanie
    Erstellt am 28. November 2009 um 23:58 | Permanent-Link

    Ich fände das wirklich grandios, wenn du das nach Plan hinbekommst! Bei Träumen sollte man den Mut aufbringen alte Gewohnheiten zu durchbrechen und zu sich zu völlig neuen Verhaltensweisen zu bekennen! In diesem Sinne auf auf ……

    Ich erwarte dann demnächst Anrufe aus dem Auto :-)

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