Wie ich mich doch noch für Fußball begeistern konnte

FußballladiesEs gibt einige Dinge in meinem Leben, die ich immer als einen festen Bestandteil von mir wahrgenommen hatte. Eine tiefe Abneigung gegenüber Fußball, inklusive eines völligen Unverständnisses für das gesamte Regelwerk, gehörte in jedem Fall zu der Person “Tim”. Mit der WM 2006 in Deutschland hatte ich mich meiner Freundin zu Liebe zum ersten Mal auf ein gemeinschaftliches Fußball Gucken eingelassen. Immerhin wurde gegrillt, ich traf ein paar nette Menschen, die ich sonst nicht oft sah und dachte mir die ganze Zeit: Es sind nur 90 Minuten, ich werde das schon schaffen.

Mit der EM zwei Jahre später musste ich mir das erste Mal eingestehen, dass ich das ein oder andere Mal sogar Spaß am Jubeln, Bangen und Ausrasten finden konnte. Das Hupen ausnahmsweise mal aus freundlicher Gesinnung im Anschluss an ein Spiel genoss ich regelrecht. Nun sind wieder zwei Jahre vorbei und dieses Mal wartete das Schicksal mit einer besonders anspruchsvollen Fußballaufgabe auf mich. Ich habe mich beruflich mit den iPhone Apps zur WM beschäftigt. Ich war zunächst verunsichert, wie denn ein Fußball-Analphabet wie ich den Wert einer App bewerten könne. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich ein weiteres Mal auf diese Sportart einzulassen und ein wenig zu spielen. Nun, weil die Apps ja nun schonmal auf dem iPhone drauf sind, kann man sie ja auch ab und an – wenn niemand hinsieht – nutzen. Eigentlich schon ganz interessant, dieses kleine Runde Lederflickending, dass scheinbar so beliebt ist, dass eine Menge Leute hinter ihm her rennen und es in Netzen einfangen wollen. Mit der diesjährigen WM schaue ich das erste Mal seit 28 Jahren auch Spiele anderer Mannschaften, tippe mit meiner Freundin um die Wette und lasse mich einfach ein wenig treiben. Weitestgehend unverständlich sind mir die Regeln heute noch, immerhin habe ich schonmal begriffen, was Abseits ist.

Heute Abend – einen Tag vor dem ersten Spiel der deutschen Nationalmannschaft – bin ich immer noch kein waschechter Fußballfan. Aber ich habe Spaß an etwas gefunden, dass ich mindestens 15 Jahre kategorisch aus meinem Leben verbannt habe. Mein Standardgedanke auf diese Erkenntnis wäre bis vor nicht allzu langer Zeit ungefähr folgender gewesen: “Ich hätte ruhig ein paar Jahre vorher etwas offener und weniger vorurteilsbeladen sein können.” Dieses Mal folgte statt dessen Erkenntnis Nummer 2, während meine Freundin das Spiel England:USA sieht und ich diesen Artikel schreibe: Es spielt überhaupt keine Rolle, warum ich mich so lange gegen Fußball gesträubt habe und was ich dadurch vielleicht verpasst habe. Jetzt gerade – in diesem Moment – macht es mir Spaß. Ob es vielleicht noch soweit kommen wird, dass ich mir sogar ein Bundesligaspiel anschauen werde? Ich habe keine Ahnung, aber auch das spielt jetzt gerade keine Rolle – es ist ja Sommerpause.

Das Foto der Fußballladies wurde von gnews aufgenommen.

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2 Kommentare

  1. Erstellt am 13. Juni 2010 um 10:15 | Permanent-Link

    Jetzt müsste es in Südafrika nur noch regnen: http://www.oberchecker.at/div/frauenfussball.jpg

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