Wie finde ich das Studienfach, das zu mir passt?

Wenn Du lernen musst, dann ist es das falsche Studium. Dieser Leitsatz wurde mir zu Beginn meines Studium nahe gelegt und vor kurzem habe ich genau mit diesem Titel einen Artikel veröffentlicht. Ben hat mich in einem Kommentar unmissverständlich dazu aufgefordert, doch einen Artikel nachzulegen, der sich damit beschäftigt, herauszufinden, wie man das für sich passende Studienfach findet. Gebeten, getan.

Der Markt bestimmt die Nachfrage – aber nicht Dein Leben

Ich habe vor acht Jahren mein Abitur gemacht. Wahrscheinlich hat sich seitdem nicht sehr viel im Umgang zwischen Erwachsenen und Abiturienten geändert. Als ich mir die Frage nach der Berufswahl stellte, kam fast ausschließlich folgender Tipp:

Ingenieure werden gesucht! Als Maschinenbauer findest Du auf jeden Fall einen Job. Studiere bloß nicht BWL, das machen ja alle. Und erst recht nicht Jura.

Mit anderen Worten wurde mir nahe gelegt, dass zu studieren, was gerade am Markt gebraucht wurde. Das ich aber noch zwischen meinem Berufsstart und meinem Abitur circa fünf Jahre des Studierens hätte, beachteten die wenigsten. Diejenigen, die es taten, gaben mir diesen Tipp:

Studiere auf keinen Fall Maschinenbau. Die werden gerade zwar gesucht, aber wenn Du fertig mit Deinem Studium bist, dann braucht die keiner mehr. Die Stellen sind dann alle besetzt. Juristen braucht gerade keiner! Deswegen studiert das auch niemand derzeit. Aber wenn Du dann in fünf Jahren Dein Jurastudium in der Tasche hast, dann werden Rechtsanwälte wieder begehrt sein.

Zusammengenommen ergab sich eine gewisse Absurdität beider Aussagen. Interessant finde ich heute noch, dass damals keiner fragte, was mir denn wirklich Spaß machen würde und worin ich wirklich gut sei.

Finde heraus, was Dir wirklich Spaß macht

Dieser erste Schritt – herauszufinden, was Dir wirklich Spaß macht – ist wahrscheinlich die wichtigste Entscheidung Deines gesamten Studiums. Zumindest war sie das für mich. Dahinter steht eine einfache Regel:

Wenn Dir etwas wirklich Spaß macht, dann wirst Du darin auch automatisch und ohne viel Mühe gut sein.

Du wirst die Texte lesen, die für das Studium notwendig sind – alleine aus dem Grund, weil es Dir Spaß macht, diese zu lesen, aus Interesse. Sicher gibt es Studiengänge, bei denen man viel auswendiglernen muss. Aber ist das wirklich ein Problem? Sicher war das ein oder andere Thema in der Schule schwer, auswendig zu lernen. Und Deinen Lieblingssong? Musstest Du den Text mühsam lernen?

Wie finde ich heraus, was mir wirklich Spaß macht?

Zunächst einmal brauchst Du dich in Deinem Leben nur einmal genau umzusehen:

  • Bist Du der geborene Sportler?
  • Hat Dich immer schon gereizt, Dein Auto auseinander zu bauen (und auch wieder zusammen zu bekommen)?
  • Spielst Du leidenschaftlich ein Instrument?
  • Schreibst Du gerne?
  • Pflegst Du mit Hingabe des Nachbars Katze oder wolltest Du immer schon verstehen, warum eine Kuh sieben Mägen hat?
  • Welches Fach hat Dir während des Abiturs am meisten Spaß gemacht?

Stelle Dir jedoch nicht nur die Frage, was Dich wirklich interessiert, sondern auch, was Du bisher mit diesem Interesse gemacht hast. Weil Du immer schon ein Instrument spielen wolltest, heißt das nicht, dass Du das auch tust und das es Dir auch wirklich Spaß macht. Mit Bezug auf die letzte Frage: Es geht darum, welches Fach Dir am meisten Spaß gemacht hat, nicht in welchem Du die besten Noten hattest. Die Noten wirken sich zwar auf den Numerus Clausus aus, aber nicht bei jedem guten Abiturienten folgen auch gute Noten im späteren Studium und vice versa. Ich habe mein Abitur mit einem Schnitt von 3,5 abgeschlossen, mein Hochschulstudium mit 1,2.

Probieren geht (zunächst einmal) über Studieren

Auch wenn ein Studium vor allem wegen der Studiengebühren eine teure Angelegenheit ist, so ist mein Tipp: Das erste Semester ist ein Spielsemester. Suche Dir das Fach aus, dass Dich am meisten interessiert und teste es auf Herz und Nieren. Schreibe Dich ein und besuche so viele Veranstaltungen, wie es geht. Werfe auch einen Blick auf Studiengänge, die Dich ebenso interessieren könnten. Die beste Einschätzung davon, wie sehr Deine Erwartungen und Wünsche mit dem übereinstimmen, was die Uni-Realität hergibt, erhältst Du dann, wenn Du auch wirklich studierst. Studienberatung, Internetforen, Rankings, Literatur über das Fach der Wahl oder Meinungen anderer
können dies niemals ersetzen! Gemessen an der gesamten Studienzeit und der irgendwann anstehenden Berufswahl ist dieses halbe Jahr sicherlich eine angemessene Investition. Auch wenn – oder vielleicht sogar erst recht – beispielsweise nicht jeder Biologiestudent später auch wirklich in seinem Fachgebiet tätig ist.

Praxiserfahrung sammeln, Praxiserfahrung sammeln und noch einmal Praxiserfahrung sammeln

Egal, ob man eine akademische Laufbahn in der Philosophie einschlagen oder im Marketing für einen Großkonzerns arbeiten möchte: Neben dem Studium zählt vor allem die Praxiserfahrung. Wenn diese nicht in manchen Bereichen sogar mehr als das eigentliche Studium wert ist. Trotzdem geht es auch hier nicht darum, was man machen sollte, sondern darum, was man machen möchte und wie sehr sich die eigene Vorstellung mit der Realität deckt. Denn wer gerne schreibt, kann Werbetexter, Journalist, Pressesprecher, Wissenschaftler und vieles weitere werden. Meine freie Mitarbeit bei einer Tageszeitung hielt vier Monate, danach stand für mich fest, dass der Wunsch, Journalist zu werden, sich für mich nicht in einer Tageszeitung verwirklichen wird. Ein darauf folgendes Praktikum in der Unternehmenskommunikation und fast fünf Jahre als Werkstudent in der selben Abteilung deckten sich schon deutlich mehr mit meinen Vorstellungen.

Je mehr Du spielst, desto realistischer wird die Welt

Gehe spielerisch mit Deinem Studium und der (darauf aufbauenden) Praxiserfahrung um – zusammenfassend:

  • Finde heraus, was Dir wirklich Spaß macht
  • Suche Dir Fächer, die sich mit Deinen Interessen und Deinem Handeln decken
  • Gebe Dir ein Semester an der Uni Zeit Zeit, alles anzusehen und auszuprobieren und Deine Erwartungen zu prüfen
  • Überlege Dir, wie Deine berufliche Zukunft Deine Leidenschaften zu Geld machen kann
  • Überprüfe auch Deine Erwartungen hinsichtlich Deiner Berufsfelder an Hand von Praktika oder kleineren Jobs

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3 Kommentare

  1. Ben
    Erstellt am 2. Oktober 2009 um 16:08 | Permanent-Link

    Danke, dass du das aufgegriffen hast! Ein schöner Leitfaden, dem man jeden Studenten in spe in die Hand drücken (oder dich direkt zu einem Vortrag einladen) sollte. Ich hätte ihn mir gewünscht!

    Nur… Ich meinte so allgemein, nicht nur auf das Studienfach bezogen. So als Planung für die vielleicht schon ersten zehn Jahre nach dem Studium…

    Nichtsdestotrotz: Mit der Anleitung solltest du im positivsten Sinne hausieren gehen.

    • Tim
      Erstellt am 3. Oktober 2009 um 14:36 | Permanent-Link

      Danke für das positive Feedback. Auch wenn Du mit Deinem Zaunfall in diesem Kommentar etwas sachter umgegangen bist, so triffst Du gerade meine Ideen zu einem Artikel, der in Richtung Langzeitplanung geht.

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