Was Du nicht haben kannst, willst Du umso mehr

Romeo und Julia Eine Geschichte von einem jungen Pärchen. Er liebt sie, sie ihn. Die Eltern sind dagegen und alles endet in einer Tragödie. Ich bin mir sicher, dass Dir sofort das berühmteste Paar der Literatur in den Sinn gekommen ist: Romeo und Julia. Das Drama ist der Namensgeber für einen Effekt, der auch als psychologische Reaktanz bezeichnet wird. Wird unsere wahrgenommene Freiheit eingeschränkt, so sind wir motiviert, diese wieder zu erlangen. Auch wenn diese Theorie der Geschichte von Romeo und Julia ein wenig den Glanz nehmen kann, so erklärt sie doch ein Stück weit, warum die Liebe zwischen beiden so stark war und warum wir häufig Dinge umso mehr wollen, wenn wir sie nicht bekommen können.

Und wenn Romeo und Julia gedurft hätten?

Noch einmal kurz zu Romeo und Julia: Zwei verfeindete Familien, die ihren Kindern die Liebe zueinander versagen. Sie wollen zusammen sein, dürfen es aber nicht. Psychologische Reaktanz ensteht und der steigende Wille, unter allen Umständen zusammen zu sein. Schließlich sollte man denken, dass der Liebe nichts im Wege stehen kann und außerdem: Was gibt es Schöneres, als die Liebe? Hätten die Eltern ihren Kindern die Beziehung erlaubt, wäre vielleicht alles anders gelaufen und Julia (oder Romeo) hätte gemerkt, dass der/die Auserwählte doch gar nicht so toll ist, wie zunächst angenommen. Laut der Theorie ist es zumindest wahrscheinlich.

Der Romeo-und-Julia-Effekt

Ich will auch andauernd Dinge, die ich scheinbar nicht so einfach bekommen kann – weil mir jemand anderes den Zugang verwehrt oder ich das zumindest glaube. Deswegen funktionieren Limited Editions und ich kaufe eher ein Kleidungsstück, wenn nur noch eines in meiner Größe auf der Stange hängt. Wer kennt nicht den Satz eines Verkäufers: “Wir haben nur das, was dort hängt!” Reaktanz gibt es eben auch in Beziehungen, wie Romeo und Julia vortrefflich beweisen. Verzogene Freunde oder Bekannte sind auf einmal viel wichtiger, als zu dem Zeitpunkt, an dem sie in der Nähe wohnten. Ich schmachte nach meiner Freundin mehr, wenn ich weiß, dass ich sie nicht sehen kann.

In manchen hellen Momenten schaffe ich es dann, mir klar darüber zu werden, ob ich eine Sache wirklich will oder sie nur umso mehr will, weil ich gerade Angst habe, sie vielleicht nicht mehr bekommen zu können. Je stärker diese Freiheitseinschränkung und je wichtiger mir das knappe Gut ist, desto stärker ist die Reaktanz und desto schwieriger ist es, mich wieder auf den Boden der Tatsachen zu bringen.

Die Strategie gegen den Kaufrausch

Bei Waren versuche ich meist, nicht zu kaufen und ein paar Tage abzuwarten. Wenn ich die Sache dann immer noch will, könnte es mir wirklich wichtig sein. Vorab ein wenig Recherche im Internet vermeidet auch die große Enttäuschung, wenn das Seltene wirklich selten war und ich eventuell eine Chance verpasst habe.

Was die Sehnsucht erleichtert

In freundschaftlichen Beziehungen und in der Liebe umso mehr funktioniert einfaches Aussitzen nicht und Internetrecherche erst recht nicht. Die Suche nach adäquaten Alternativen über Kontaktbörsen scheint nicht angebracht. Hier kann helfen, sich selbst ein wenig zu beruhigen, mehrmals tief durchzuatmen und sich vorzustellen, was denn wäre, wenn man die Person jetzt sofort und ohne Probleme sehen könnte. Ist die Befriedigung wirklich so groß wie soeben noch angenommen? Dann hilft nur der Griff zum Telefon. Der oder die Ersehnte freut sich bestimmt, wenn er/sie weiß, dass da jemand ist, der Sehnsucht nach einem hat.

Photo von stephenvance.

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