Warum keine Zeit zu haben, immer eine Lüge ist

2613972183_18b549ab81_m.jpg Immer wieder begegnen mir Menschen, die es scheinbar ausgesprochen cool finden, am längsten im Kollegenkreis zu arbeiten und deshalb keine Zeit zu haben. Als sei der Akt der Selbstkasteiung heilsbringend. Bitte verstehe mich nicht falsch: Ich habe nichts gegen lange Arbeitszeiten und Überstunden. Würde ich das haben, wäre ich in der falschen Branche tätig. Mir geht nur gehörig das Arbeitszeit um der Arbeitszeit willen auf die Nerven. Wer mit seiner Arbeit seiner Passion folgt und dies den lieben langen Tag tut, hat schon viel für das eigene Glück getan. Wer sich einredet, keine Zeit zu haben, lügt – auch wenn er das vielleicht gar nicht will.

Sei keine Maschine

Überlege Dir gut, welchen Tag der Woche Du wie nutzen willst. Montage eignen sich für bestimmte Aufgaben besser als Freitage, Wochenenden bieten andere Möglichkeiten als Wochenmitten. Es tut gut, sich Tage einzurichten, an denen man einmal bewusst unproduktiv ist und den Lieben Gott einen guten Mann sein lässt. Um Konflikte mit dem Arbeitgeber zu vermeiden, nutze für letzteres Deine Freizeit. Überlege Dir auch, welche Tageszeit sich am besten für was eignet: Ein schwieriges Sachbuch liest sich morgens vor der Arbeit mit frischer Konzentration leichter und vor allem schneller als Abends, nach zehn Arbeitsstunden.

Ist Dein Zeitkonto im Dispo

Jeder Mensch hat an jedem Tag 24 Stunden Zeit zur Verfügung. Wenn Du dir ein Zeitkonto (ein simples Notizbuch reicht) einrichtest und einmal notierst, für welche Tätigkeit Du den Tag über wie viel Zeit benötigst, dann wird Dir schnell Verbesserungspotenzial auffallen:

  • Wieviel Schlaf benötigst Du wirklich?
  • Musst Du jeden Tag Facebook, Twitter und alle möglichen
    Nachrichtenseiten nach Neuigkeiten durchforsten?
  • Wieviel Zeit verbringst Du mit Telefonaten, Instant-Messaging und anderen Kommunikationsmitteln?
  • Musst Du jeden Tag durch die Fernsehkanäle zappen, Deine Lieblingsserie sehen oder lohnt sich vielleicht eine Aufnahme, bei der Du die Werbung vorspulen kannst und die Du so zu einem späteren Zeitpunkt auch noch sehen kannst?
  • Wieviel Zeit verbringst Du in Meetings?
  • Wieviel Kaffee-, Raucher- und Klatsch-und-Tratschpausen machst Du?

Multitasking ist ein Märchen

Lange war es hipp, sich selbst für multitaskingfähig zu halten. So wie diese Computer. Nur sind wir dabei den PCs gehörig auf den Leim gegangen, denn diese arbeiten nicht ständig parallel. Wenn sie es tun, dann liegt das an ihren “vielen Gehirnen”. Wir haben aber nur eines. Nimm Dir also ein Beispiel am echten Leben, der Realität: Mache immer nur eine Sache. Fange sie an und beende sie, dann kommt erst die nächste. Wenn Dich andere Sachen (Telefon, ICQ, Skype, E-Mail etc.) ablenken, schalte sie ab.

Schaffe Dir deine Rituale

Weise Arbeitsschritten, die Du regelmäßig und immer auf die gleiche Weise ausübst, feste Zeiten zu. Checke Deine Mails nicht permanent, das ist meist ein Zeichen dafür, dass Du einer anderen Aufgabe aus dem Weg gehen willst. Wähle stattdessen feste Zeiten, zu denen Du dein Mailprogramm öffnest: je nach Akutheit und Handlungsbedarf kann dies von einmal alle zwei Stunden bis hin zu zweimal am Tag sein. Damit das reibungslos funktioniert, solltest Du natürlich auf alle E-Mail-Benachrichtigungen abschalten, die sonst permanent auf Deinem Bildschirm um Aufmerksamkeit betteln. Gleiches gilt für die Einstellungen Deines Handys.

Welche Strategien nutzt Du, um Dir etwas Zeit freizuschaufeln?

Das Foto der Fußmatte wurde von *Sally M* aufgenommen.

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8 Kommentare

  1. Ben
    Erstellt am 25. April 2010 um 22:16 | Permanent-Link

    Was mir mal ein Freund, Funky Franz, als Kommentar hinterließ, nachdem ich ihm sagte, ich hätte keine Zeit:

    Ein kleiner Exkurs in die Philosophie der Zeit…
    Zeit ist diejenige Ressource auf der Welt, die am gerechtesten verteilt ist: Jeder bekommt genau 24 Stunden am Tag.

    Mal abgesehen von einigen Grundbedürfnissen wie Schlafen, Essen und Gesundheit, kann man mit diesen 24 Stunden genau das machen, was man für richtig und wichtig hält.

    Da man als Arbeitsloser aber einen schlechten Stand hat und womöglich schief angeschaut wird in der Gesellschaft (Familie, Freunde), abgesehen davon dass man sich möglicherweise nutzlos vorkommt und langweilt, treibt es die meisten Leute doch in die Erwerbstätigkeit.

    Dummerweise haben die Arbeit/Auftraggeber da einige Tricks und Druckmittel drauf, mit denen sie das Zeitmanagement jedes einzelnen mehr oder weniger beeinflussen oder sogar steuern können.

    Dazu gehören
    Alles-oder-Nichts-Methode
    Die Zeit, die man in Erwerbstätigkeit investiert, wird häufig nur sehr grobgranular gehandelt. Nach dem Motto, entweder du nimmst den Full-Time-Job oder du landest auf der Straße.

    Gruppenzwang
    Die Kollegen pushen sich gegenseitig damit hoch, wer am längsten bleibt. Wer früher geht, weil er andere Prioritäten hat, wird gedisst.

    Termine setzen für Ergebnisse
    Wenn man im Job etwas freiere Zeiteinteilung geniesst (z.b. als “Contractor”), bedeutet das zumeist noch mehr Arbeit, weil man denkt man wird sonst nicht den hohen Qualitätsanforderungen und knapp kalkulierten Terminen gerecht.

    Die verschiedenen Zeitmanagement-Methoden sind vor allem dazu da, mehr Klarheit über die eigene Prioritätensetzung zu gewinnen, diese Prioritäten in einer geeigneten Zeitplanung festzuhalten, und damit auch einen Überblick über den tatsächlichen Zeitbedarf verschiedener Tätigkeiten zu bekommen. Alles in allem eine Bewusstmachung der Zeiteinteilung.

    Seitdem habe ich den Satz “ich habe keine Zeit” aus meinem Vokabular gestrichen. Stattdessen heisst es dann, ich habe andere Prioritäten. Zugegeben, da muss man dann etwas mehr diplomatisches Geschick investieren, damit das nicht unfreundlich rüberkommt.

    [Ende des kleinen Exkurses]

    Das hatte mich dazu gebracht, das zu reflektieren – und möglichst nie wieder Ich habe keine Zeit zu sagen.

    • Tim
      Erstellt am 4. Mai 2010 um 14:43 | Permanent-Link

      Weiser Franz, so ist es! Schlimm ist diese Erkenntnis nur dann, wenn sie einem nach dem sagenumwobenen ersten Herzinfarkt mit Mitte 50 kommt.

  2. Erstellt am 26. April 2010 um 20:56 | Permanent-Link

    @Ben
    Sehr gut Antwort von deinem E-Mail Partner und genau das, was ich wahrscheinlich auch anwenden sollte.

    @all
    Früher habe ich zu allem: Ja und Amen gesagt…und habe dadurch weniger das gemacht, was ich eigentlich wollte. Ich hatte auf einmal keine Zeit mehr – für mich.
    Das habe ich nun gut in den Griff bekommen, indem ich mich wirklich immer vorher frage:
    Muss ich das jetzt unbedingt tun? Kann das nicht noch warten oder jemand anderes machen, der genauso gut dafür geeignet ist?

    Und auf einmal hatte ich Zeit…so viel, dass ich teilweise wieder neu entdecken musste, was man so alles noch machen kann, außer arbeiten und Wünsche von anderen zu erfüllen ;-)

    Wer nicht versteht, dass ich gerade keine Zeit für seine Belange habe, der spürt schnell, dass ich den Kontakt meide oder eventuell ganz abbreche. Denn nichts ist schädlicher, als Menschen, die ständig fordern, meine Gesundheit dadurch beeinträchtigen und mir wichtige Energie entziehen.

    Also, wer keine Zeit hat, der beschäftigt sich mit zu vielen unwichtigen Dingen, will es aber nicht zugeben und lügt – oft unbewusst.

    • Tim
      Erstellt am 4. Mai 2010 um 14:37 | Permanent-Link

      Hallo Susann! Es geht wohl darum, zu lernen, was man gerne macht und will und was man machen muss. Mit “muss” meine ich keinen Zwang, sondern die innere Stimme, das Bauchgefühl, dass immer wieder kommt und sagt: Tu es! Es gibt halt nichts Gutes, außer…

  3. Ben
    Erstellt am 30. April 2010 um 15:02 | Permanent-Link
  4. Ben
    Erstellt am 9. Mai 2010 um 10:32 | Permanent-Link

    …und noch ein Eintrag bei Zeit Online.

  5. Ben
    Erstellt am 11. Mai 2010 um 13:11 | Permanent-Link

    …und noch ein Eintrag bei FAZ.net.

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