Warum Eigen-PR und Eigen-Marketing langfristig den Ruf versauen

Soziale Netzwerke sind der “place-to-be”, das Angebot scheint unüberschaubar. Ihre Nutzer treten in den unterschiedlichsten Portalen und Websiten an, um das zu sein, was der Mensch nun einmal ist: ein soziales Wesen. Paradox ist, wenn man nun aus allen Ecken und Enden der Blogosphäre verlauten hört: Vermarkte Dich! Verschaffe Dir eine Identität und werde zur Marke. In der Wirtschaft wurden die Strategien rund um das Schaffen einer Identität, der Corporate Identity, entwickelt, um Unternehmen wie Persönlichkeiten auftreten zu lassen. Warum sollten aber echte Persönlichkeiten diese Strategien nutzen, um wie künstliche Persönlichkeiten – eben wie Unternehmen – zu wirken?

Wenn eine Firma nach außen kommuniziert und dabei verschiedene Kanäle nutzt, dann ist der einheitliche Auftritt – eben die Corporate Identity – der Standard der Marketing- und PR-Treibenden. Dies wird nötig, weil ein (großes) Unternehmen – bildlich gesprochen – möglichst wie ein Mensch auftreten soll: einheitlich, in sich schlüssig und damit vertrauensbildend!

Und was bedeutet das für Dich?

Die Kernpunkte von Eigen-PR und Eigen-Marketing

  • Bilde Dein eigenes Image aus
  • Hebe Dich von anderen ab
  • Trete einheitlich auf

Dem Wunsch nach einem (neuen) Selbst entsprechen

Die größte Gefahr, die sich hinter Eigen-PR und Eigen-Marketing verbirgt ist, dass in diesen Kernpunkten unterschwellig immer mitschwingt: Schaffe Dir dein Selbst, so wie es Dir gefällt. Nach Deinem Geschmack, so wie die anderen Dich wahrnehmen sollen. Nur leider sind wir nicht immer so, wie wir gerne sein wollen. Wir können uns weiter entwickeln und so werden, wie wir sein wollen. Aber jetzt sind wir zunächst einmal genau derjenige, der wir sind. Nicht mehr und zum Glück auch nicht weniger. Wer nicht aufpasst, landet schnell in der Falle und verschwendet seine Zeit mit schillerndem Ego-Design. Ein genauer Blick lohnt, denn er entlarvt einen Großteil dieser Kernpunkte als totalen Humbug.

Bilde Dein eigenes Image aus

Ein Image ist ein Abbild von Dir. Es ist nicht mit Dir gleichzusetzen. Warum solltest Du für solch ein Image Energie aufwenden, die Du viel mehr in die eigene Entwicklung stecken könntest? Es gibt keinen Grund, ein Bild dessen zu kreieren, was man gern wäre. Der Vorteil dieses Punktes ist, dass man sich mit ein wenig Mühe darüber klar wird, wer man gerne wirklich wäre. Und dann? Dann setzt man all seine Energie daran, sich zu entwickeln. Sich diesen Traum zu erfüllen. Das Schaffen eines Images ist nicht nur Energieverschwendung, es saugt wichtige Erfahrungswerte, die durch eine eigene Entwicklung möglich gewesen wären, ab und lässt diese im luft- und inhaltsleeren Raum verpuffen.

Hebe Dich von anderen ab

Dieser Punkt ist der graue Schimmel unter den Tipps zur Selbstvermarktung. Du bist ein Individuum, entstanden aus der Summe aller Erfahrungen, die Du je gemacht hast. Wie ist Deine Erziehung und Bildung? Wer sind Deine Freunde und Familie? Was sind Deine Inspirationsquellen? Was sind Deine Leidenschaften, Interessen und Hobbies? Du brauchst Dich nicht von anderen abheben. Den Schritt hast Du bereits geschafft: Du bist einzigartig. Steh dazu!

Trete einheitlich auf

In diesem Punkt steckt noch die meiste Sinnhaftigkeit. Ein einheitliches Auftreten – dazu gehören unter Anderem das Design von Blog, Twitter- und Myspace-Seite, Fotos, Logos und Farben – schafft einen Wiedererkennungswert und ist somit nur ökonomisch für Dich und Deine Leser. Du entscheidest, wie all diese Plattformen aussehen sollen und wie Du darauf auszusehen hast. Jedoch liegt dieser These eine gewichtige Einschränkung zu Grunde: Sei der, der Du bist! Nicht jedem stehen verfremdete 70er Fotos und Blumentapeten. Nicht jeder muss minimalistischen Web-Trends folgen und schlimmstenfalls hinterherlaufen. Wenn Deine Seite lesbar und übersichtlich ist, ist dies Grundlage genug. Der Rest entspricht dem, wie Du bist, wie Du denkst und wie Du schreibst.

Warum Eigen-PR und Eigen-Marketing den Ruf versauen

Je mehr Kommunikationsplattformen Du nutzt, desto facettenreicher wird Dein digitaler Auftritt. Ist dieser erdacht, weil er dem “So-Wollen-Sein” entspricht, so wird er langfristig als laues Lüftchen auffliegen. Dein Gegenüber merkt schnell, ob es sich um eine Verkaufsveranstaltung handelt oder ob Du darüber schreibst und sprichst, was Dich wirklich bewegt. Namhafte Großkonzerne beschäftigen nicht selten bis zu 100 Mitarbeiter im Bereich Kommunikation. 100 Menschen, deren Auftrag es ist, eine Identität zu entwickeln und darüber zu kommunizieren. Warum also die Arbeit für 100 machen, wenn die eigene Entwicklung nur Arbeit für eine Person ist? So findet sich doch ein wenig Ökonomie in den sozialen Medien.

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Ein Kommentar

  1. Ben
    Erstellt am 30. August 2009 um 19:12 | Permanent-Link

    Dein Kommentar bei Karrierebibel greift das auf, was ich hier sonst im wesentlichen geschrieben hätte, und/oder um mich selbst zu zitieren, nicht Worte sondern Taten sprechen Worte.

    Außerdem trete ich als Mensch auf, nicht als Firma. Als Mensch arbeite ich an mir (oder “sollte” zumindest), was für mich wichtig ist, und nicht, um anderen zu sagen, wie toll ich bin oder dass ich elfzig Billiarden Facebook-Freunde habe.

Ein Trackback

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