Wenn man sich die Frage stellt, wer man eigentlich ist und welche Dinge das eigene Leben wirklich ausmachen, dann lässt sich eine Antwort am einfachsten und am spielerischsten in der Freizeit beantworten. Ich gehe Spazieren. Besonders seit ich einen Hund habe. Und weil ich das gerne mache, habe ich dieses Beispiel ausgewählt. Die Idee hinter diesem Artikel lässt sich jedoch an jedem beliebigen Interessensfeld prüfen.
Klein anfangen
Wer neues ausprobiert, muss sich darauf einlassen (können). Dazu gehört das Loslassen eines selbst auferlegten Images (“So etwas mache ich nicht! Das ist nichts für mich und überhaupt!”) ebenso wie das komplette Eintauchen in die neue Situation. Keine Ausflüchte in Bereiche, in denen man Herr der Lage ist – also andere Gesprächsthemen, das Abkürzen der neuen Situation zu Gunsten von anderen Handlungen etc.! Es geht ja um eine neue Situation. Da dies aber weder leicht gesagt, noch erst recht nicht leicht getan ist, bietet sich ein wenig Übung an. In Situationen und Interessen, die man bereits glaubt, zu kennen.
Worum es wirklich geht
Nehmen wir mein Beispiel des Spazierengehens. Oft bin ich mehr blind als wach neben meinem Hund durch den Wald gestolpert. Weder zwitschernde Vögel, noch duftende Tannen haben meine Aufmerksamkeit erreicht, denn diese war ganz von Emails auf meinem Telefon oder kreiselnden Gedanken eingenommen. Dabei wollte ich doch einfach nur Spazierengehen. Je öfter ich nach einem solchen Blindfluggang nach Hause kam und nicht entspannter war, desto mehr habe ich mir die Frage gestellt, ob ich etwas falsch mache. Spazieren gehen soll doch entspannen…
Das tun, was man tut
Der erste – wirklich schwere Schritt – war, das Handy nicht mehr mitzunehmen. Und ich hörte Vögel singen und genoss das Lichterspiel in den Wipfeln. Da ich zwar das Handy zu Hause gelassen, aber meine Gedanken mitgenommen hatte, blieb zeitweiliges Stolpern nicht aus. Und so richtig dabei war ich auch nicht.
Aber was ist Spazieren gehen denn nun?
Die Antwort liegt auf der Hand: Ich gehe Schritt für Schritt. Mehr nicht. Also konzentrierte ich mich genau darauf, alles andere ließ ich hinten über fallen. Ich spürte, dass ich bei Steigungen stärker atmen musste, als auf geraden Strecken und war erstaunt, dass der Mensch noch mehr Sinnesorgane als das Auge hat: Ging ich auf Asphalt oder Schotter? Roch ich Nadelhölzer oder modrigen Laubboden? Ich bekam so langsam eine Idee dessen, was Spazieren gehen wirklich ist. All das um mich herum zu beobachten, langsamer zu werden, meinem Hund zuzusehen und mich… zu erholen.
Mit anderen Worten: Ich bin zu einem echten Spaziergänger geworden.
Ein Level weiterkommen
Dieses Prinzip, sich auf das Wesentliche einer Situation einzulassen, lässt sich besonders auch auf neue Ereignisse anwenden – bedarf aber ein wenig Übung. Ich merke mittlerweile deutlich schneller, welche Situationen mir behagen, was ich wirklich gerne mache und was wirklich etwas für mich ist.
Was ist also des Pudels Kern?
- Versuche den Kern einer Situation zu erkennen, worum geht es wirklich?
- Lass Dich darauf ein, so lange es Dir behagt
- Versuche nicht, Dich durch andere Dinge (Handys oder Gedanken beispielweise) ablenken zu lassen
- Nimm so viele Eindrücke auf, wie Du kannst
- Denke erst nach dem Erleben über diese Eindrücke nach, bilde keine vorschnelle Meinung
Was Dich auch interessieren könnte
- Du verstehst mich immer falsch: 3 Soforthilfemaßnahmen gegen Missverständnisse
- Lerne nicht aus Deinen Fehlern, lerne aus Deinen Erfolgen
- Drei Augen darauf werfen: Wann etwas schadet und wann etwas hilft
- Wie ich mich doch noch für Fußball begeistern konnte
- Wie viel Zeit hast Du, deine Träume zu verwirklichen?
Und wenn Dir dieser Eintrag gefallen hat, kannst Du uns helfen, ihn bekannt zu machen: Erzähle anderen davon und abonnieren die Einträge! Danke dafür.
Facebook Twitter Mr. Wong Einträge abonnieren
3 Kommentare
Die ganze Zeit – die es in Anspruch nahm, diesen Artikel zu lesen – dachte ich bei mir…..’hm wie ist denn das, wenn du mit den 3 Hunden im Wald oder am Rhein spazieren gehst’?
Ich glaube sobald ich die Leinen der beiden Großen gelöst habe, bin ich raus….raus aus dem Alltag, den Gedanken der Woche, dem Trott. Dann gibt es für die kommende Stunde nur noch mich, die Luft um mich herum, das nahe Wasser…die Natur. Ich sehe wie sich die drei alle unterschiedlich verhalten, wie sie ihre Aufmerksamkeit mal mehr mal weniger auf mich richten und bin dabei ganz bei mir.
Erholt bin ich jedes mal, nach einem solchen Trip!
Es sei denn alle Gräser vereinigen sich gemeinschaftlich gegen mich und lassen meine Nase Höllenqualen leiden :-)
Vielen Dank für Deinen Kommentar! Es geht mir auch nicht nur um Erholung oder ein positives Gefühl. Es geht mir um den authentischen Umgang mit einer Situation. Wenngleich es eine lustige Randbemerkung von Dir war, so demonstriert sie – vielleicht unbewusst – genau, was ich meinte. Selbst so etwas Unangenehmes wie eine Allergie gehört zur realistischen Wahrnehmung einer Situation. Zu dem, wie Dinge nunmal sind. Wer das nicht leugnet und “einfach” – in Wahrheit ist es viel Arbeit – akzeptiert, wird sicher bald eine lockerere Haltung einnehmen können und auch trotz widriger Gräser den Spaziergang etwas mehr genießen können.
Spazierengehen als Beispiel: Scheint, als sei das Verweigern der Nichterreicbarkeit da symptomatisch/beispielhaft für das Unvermögen, sich gezielt, bereitwillig – von sich aus – auf etwas einzulassen und eine eben (gesunde) egozentrische Position einzunehmen. (Das Lösen aus der Erwartungshaltung ist wohl für viele Menschen sehr schwer oder deren Existenz gar unbewusst/unbekannt.)