Sei Dir selbst treu! Nur wie? (Teil 2)

Dieser Artikel ist der zweite Teil einer Serie. Teil 1 findest Du hier.

Im ersten Teil wollte ich vor allem aufzeigen, wie Selbstbewusstsein entsteht und wovon es abhängig ist. Bei der Bewertung unserer selbst spielt aber auch die eigene Wertschätzung unserer Leistung eine Rolle. Erachten wir Erreichtes als eine besondere (schätzenswerte) Leistung oder werten wir unsere Leistung trotz objektiver Erfolge als nicht genügend.

Wenn Negatives gut macht

Ich habe während meiner Schulzeit meist nur mittelmäßige bis schlechte Noten gehabt. Ein Bekannter gab mir einmal den Rat, dass man immer der Beste der Schlechtesten sein müsse. Dann käme man immer durch. Und ungefähr an dieser Stelle stand ich auch viele Jahre. Und durchgekommen bin ich ebenso wie ich zufrieden war. Als ein mir sehr nahe stehender Freund zum besten Auszubildenden seines Jahrgangs und Fachs in Nordrhein-Westfalen gewählt wurde, packte mich der Ehrgeiz. Ich dachte mir: Bestimmt kann jeder “gut” sein!
Ich habe mich in mein Studium hineingekniet und bis zum persönlich empfundenen Untergang gelernt. Ich habe nicht mehr darauf geachtet, wie entspannt man durch die Hürden des Lebens kommen kann, wenn man sich mit schlechten Noten zufrieden gibt, sondern ich habe auf jede Kleinigkeit, die nicht perfekt war, penibel und pedantisch geachtet.

Aus der Konzentration auf Fehler und und ihrer Ausmerzung entstand folgendes: Sehr gute Noten, ein immer kleinkarierter werdender Perfektionismus, der absolute Entwicklungsturbo. Und… Unzufriedenheit. Denn jeder Erfolg kann noch gesteigert werden und genau dies machte süchtig.

Wenn Zufriedenheit Gutem eine Basis bietet

Ich habe mich mehr und mehr von mir selbst entfernt und mich entwickelt, der Entwicklung wegen. Mir selbst treu geblieben bin ich nicht, nur meiner Leistungsgeilheit. Aber was beweist eine besonders gute Leistung? Sie beweist, dass man innerhalb eines gegebenen Systems Regeln akzeptieren und diesen entsprechend leisten kann. Ich habe lange dafür gebraucht, zu verstehen, dass das einzige System, dessen Regeln ich wirklich lernen muss ich selbst bin: Zufriedenheit und Glücklichkeit sind mir wieder wichtiger als Noten, die eine Kommission entwickelte und als Messlatte für Erfolg auf Basis von Lehrplänen ansetzte. Wenn andere ihren Fokus anders setzen, dann spricht da überhaupt nichts gegen.

Die Frage bleibt jedoch immer gleich: Was ist mir wirklich wichtig? Wenn ich danach handele, zu erreichen, was mir wirklich wichtig ist, bin ich ein ganzes Stück weit mir selbst treuer.

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