Roland Kopp-Wichmann vs. Tim A. Bohlen: Teil 2

Roland Kopp-Wichmann hat sein neues Buch “Ich kann auch anders: Psychofallen im Beruf erkennen” veröffentlicht. In dieser Serie nimmt jeder von uns zu einer der am meisten auftretenden Psychofallen Stellung. Wie ist Deine Meinung?

Psychofalle: Ich kann mich nicht gut verkaufen.

Roland Kopp-Wichmann

Egal, ob man im Vertrieb arbeitet oder dem Chef eine neue Idee näherbringen will. Man muss sich gut verkaufen können. Selbst im privaten Bereich gilt das, denn auch beim Flirten und Kennenlernen müssen wir uns präsentieren, den anderen überzeugen, Einwänden begegnen – und dann zum Abschluss kommen. Menschen, die mit dieser Psychofalle Schwierigkeiten haben, lehnen das oft ab. Sie haben Angst, sich zu zeigen, weil sie vor allem mit einer Ablehnung rechnen – und diese allzu persönlich nehmen. Sie hoffen, dass der andere ihre Talente und positiven Eigenschaften entdeckt ohne dass sie sich zeigen müssen. Doch geht diese Rechnung meist nicht auf. Deshalb gilt leider oft, dass nicht die beste Idee zählt, sondern der Vorschlag, der am besten verkauft wurde.

Tim A. Bohlen

In Unternehmen gilt leider häufig noch das Motto “Tue Gutes und rede darüber”. Das Präsentieren der eigenen Stärken oder Leistungen fällt besonders deswegen schwer, weil man sich selbst nicht als Verkäufer der eigenen Person ansieht, sondern als ein Mensch mit Gefühlen – negativen wie positiven. Ich habe besonders dann gute Erfahrungen gemacht, wenn ich sowohl positive, als auch negative Gefühle ehrlich kommuniziert habe. Dies zeigt allen Beteiligten, wo die eigenen Grenzen sind und wie man am besten mit mir umgehen kann. Das Gleiche gilt für die Präsentation der eigenen Stärken und Schwächen. Wenn Du Leistung erbringst, darfst ohne zu Zögern auch Anerkennung annehmen. Dazu gehört aber auch und am besten in ungezwungener Gesprächsatmosphäre zu kommunizieren, dass Du diese Leistung erbracht hast: “Mir hat das Projekt Spaß gemacht, weil ich endlich einmal…” oder “Für mich lag die größte Herausforderung darin, dass ich…” Es geht darum, Dich selbst in das Gesamtprojekt einzuordnen und nicht herauszustellen, warum alle Beteiligten Dir etwas verdanken. Was die Schwächen angeht: Wenn Du einen Fehler machst, stehst Du immer besser da, wenn Du mit diesem selbstkritisch umgehst und eine Lösung des Problems von Dir aus anbietest. Konntest Du deinen Fehler erfolgreich ausbügeln, dann gibt es sicher sogar Plus-Punkte. Aber aufpassen: Vieles ist heute Teamarbeit und damit die Leistung mehrerer, die gemeinsam an etwas gearbeitet haben. Nur die eigenen Lorbeeren schmecken!

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