Authentisch essen: Das Experiment mit Erkenntnisgarantie

Was ist real und was ist schöner Schein? Die Antwort auf diese Frage ist wohl am offensichtlichsten, wenn man sich mit der eigenen Nahrung beschäftigt. Man kann sogar ein wenig über sich lernen. Aus diesem Grund möchte ich mit diesem Artikel zu einem Experiment anregen, welches zunächst überhaupt nichts mit dem Grübeln über sich selber zu tun hat und dann – gewissermaßen im Nachgang – doch sehr wohl einiges über das eigene Leben aussagen kann.

Tag 1: Siegt der Komfort?

Den ersten Tag des Experiments widmen wir dem schönen Schein. Ist die Zeit für die Hauptmahlzeit des Tages gekommen, so suche einen Supermarkt Deiner Wahl auf. Der Weg bahnt sich vorbei am frischen Gemüse und Obst zu den Tiefkühlprodukten. Das Ziel: Eine Tiefkühlpizza.

Die Aufgaben:

  1. Lasse die einzelnen Produktverpackungen auf Dich wirken
  2. Welche Produkte gibt es, welche Bilder sehen ansprechend aus?
  3. Entscheide Dich für die Pizza, deren Abbildung am leckersten aussieht
  4. Kaufe nur dann die Pizza, die Du immer kaufst, wenn sie auch wirklich das ansprechenste Foto hat

Wie es sich für ein ordentliches Experiment gehört: Die Bedingungen müssen eingehalten werden. Also fahre oder gehe wieder nach Hause und bereite die Pizza exakt nach den Packungsangaben zu. Vergleiche das fertige Produkt mit dem Packungsfoto und esse die Pizza.

Schreibe Deinen Eindruck auf einen Klebenotizzettel und hefte ihn in die Nähe Deines Herds.

Tag 2: Lohnt sich die Mühe?

Am darauf folgenden Tag gibt es wieder Pizza als Hauptgericht. Dieses Mal bereitest Du sie jedoch eigenhändig zu.

  1. Folge einem Rezept, dass der Pizza vom Vortag am meisten ähnelt
  2. Kaufe alle dafür nötigen Lebensmittel auf einem Markt ein. Gibt es keinen Markt in Deiner Nähe, so tut es auch ein Gemüseladen oder notfalls ein Supermarkt
  3. Je intensiver Du mit den Produkten in Kontakt kommst, desto besser
  4. Rieche an dem frischen Gemüse, fasse es an und teste es auf Frische; Schau, welches Mehl es gibt und ob Du die Gewürze frisch bekommen kannst

Wie bei der Anleitung zur Zubereitung weiter oben beschrieben, halte Dich exakt an das Experiment. Gab es Fotos zu Deinem Rezept, so vergleiche diese ebenso mit der fertigen Pizza. Jetzt ist wieder das Essen dran!

Schreibe wieder Deinen Eindruck auf einen Klebenotizzettel und hefte ihn zu dem anderen.

Tag 3: Jetzt geht es ans Eingemachte

Nachdem beide Pizzen gegessen und die Eindrücke verdaut sind: Betrachte die beiden Notizzettel und lasse Deine Erfahrungen Revue passieren.

  • Wie war die Erwartungshaltung beim Betrachten der Pizzapackung vom ersten Tag?
  • Wurden Deine Erwartungen durch das Produkt erfüllt?
  • Wie war das Einkaufserlebnis der frischen Zutaten am zweiten Tag?
  • Hat die selbst zubereitete Pizza Deine Erwartungen – in Anbetracht des Aufwandes – erfüllt?

Zu welchem Ergebnis kommst Du? Welche Pizza und welches damit einhergehende Erlebnis sagt Dir mehr zu? Hier kannst Du nun den versprochenen Abstecher zur Selbsterkenntnis wagen. Versuche die Erlebnisse auf Dich zu übertragen.

  • Passt Deine “Verpackung” zu demjenigen, der Du bist?
  • Bist Du bereits bei flüchtigen Kontakten und im Small-Talk wirklich Du selbst?
  • Glaubst Du, dass es auffällt, wenn Du dich als jemand ausgibst, der Du nicht bist?
  • Ist ein schnelles Erreichen von Zielen wichtiger als der Weg dorthin?

Und was wird nun aus den Notizzetteln? Lasse sie noch ein paar Tage dort kleben, wo sie sind und werfe ab und an einen Blick darauf und beobachte Dein Ernährungsverhalten. Ändert es sich? Änderst Du dich mit?

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