3 Gründe, wieso Du dich verändern solltest, solange Du zufrieden bist

Tim, manche Menschen sind der Meinung, dass es eine tiefe Krise brauche, um sich zu verändern. Nach dem Motto: “Nur wer ganz unten ist, kommt zu Einsicht!”. Braucht es wirklich eine Krise um sich zu verändern? Ich habe mich nun eine ganze Weile vor der Antwort auf diese Frage gedrückt. Ich wusste zunächst nicht genau, ob ich wirklich etwas sinnvolles dazu zu sagen hätte. Da Dr. med. Marco Ramadani und ich beschlossen haben, unsere Diskussion öffentlich zu führen, folgt nun meine Antwort mit dreiwöchigem Verzug in diesem Artikel.

Wenn es wehtut, lass es sein

Wenn uns etwas wehtut, Schmerzen oder Kummer bereitet, dann ist unsere erste Reaktion, dass wir versuchen, entweder die Situation oder unser eigenes Verhalten zu ändern. Ein Beispiel – und ich kenne kein besseres: Ein Freund von mir erzählte mir vor einiger Zeit von einem beliebten Satz seines Vaters (Arzt) auf die Klage seiner Patienten: “Wenn ich XYZ mache, dann tut es weh.” Seine knappe Antwort: “Dann machen Sie XYZ nicht!” Mit anderen Worten: Die Lösung für das Problem des Patienten liegt nicht in der (unmöglichen) Änderung der Situation, sondern in der Veränderung des eigenen Verhaltens. Natürlich gibt es zahllose Momente im Leben, in denen wir besser die Situation, in der wir uns befinden, und nicht unser Verhalten ändern sollten. Da dieses Blog sich aber vornehmlich der Persönlichkeitsentwicklung und nicht der Situationsentwicklung widmet, lasse ich letzteres – zumindest in diesem Artikel – einmal links liegen.

Warum Du dich verändern solltest, solange Du zufrieden bist

Was steht zwischen den oben geschriebenen Zeilen der ärztlichen Anordnung?

  1. Wenn Du Deinen Schmerz loswerden willst, musst Du dein Verhalten anpassen
  2. Wie Du dich zu verhalten hast, bestimmt Deine Situation
  3. Du kannst einen Teil des Handlungsprozesses beeinflussen, in dem Du dich selber einschränkst

Wichtig ist: Die hier verwendeten Begriffe wie “Schmerz” oder “wehtun” sollen deutlich machen, warum wir uns in der Regel verändern. Dabei muss der “Schmerz” nicht wortwörtlich zu verstehen sein. Ein abstrakterer Begriff wäre vielleicht Leidensdruck. So wie bei einem Raucher, der sich von seinem Laster befreien will. Er verspürt nicht zwangsläufig Schmerz, leidet vielleicht aber unter der Angst, irgendwann einmal Krebs diagnostiziert zu bekommen.

Wenn man die oben stehende Liste auf den Kopf stellt, dann lässt sich zugleich das Versprechen, das ich mit dem Titel dieses Artikel gegeben habe, einlösen:

  1. So lange nichts drückt, mach, was Du willst
  2. Wenn Du machen kannst, was Du willst, stehen dir zahllose Möglichkeiten offen
  3. Weil es keine Notwendigkeit zu einer bestimmten Veränderung gibt, entscheidest Du, ob Du dich veränderst oder nicht

Dies sind meiner Meinung nach drei gute Gründe dafür, über meine eigene Entwicklung nachzudenken, solange es mir gut geht. Auch wenn Du dich niemals um der Änderung willen ändern solltest, so verschafft Dir deine Zufriedenheit den nötigen Komfort und die Sicherheit, in Ruhe und eigenbestimmt über mögliche neu zu gehende Wege nachzudenken.

Jetzt bist Du am Zug: Deine nächsten Schritte

Lege Dir selbst Rechenschaft ab:

  1. Bist Du derzeit rundum glücklich, zufrieden oder geht es Dir gar schlecht?
  2. Wenn es Dir schlecht geht, kannst Du den genauen Grund benennen?
  3. Wenn es Dir gut geht, schleppst Du vielleicht trotzdem etwas mit Dir herum, dass dich nervt oder das Du gerne “immer schon einmal” verändern wolltest?
  4. Kommst Du alleine gut zurecht oder hast Du eine Idee, wer Dich bei deinen Ideen unterstützen könnte?

Wie ist es bei Dir? Muss es Dir immer erst wirklich schlecht gehen, damit Du etwas veränderst?

Marco ist niedergelassener Arzt in eigener Privatpraxis für Hypnotherapie und Klinische Hypnose in Neu-Ulm. Die Photographie des Demonstrationsschildes wurde von wondergitti aufgenommen.

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2 Kommentare

  1. Erstellt am 2. Mai 2010 um 13:12 | Permanent-Link

    Hallo Tm,

    ich schließe mich Deiner Meinung an – viele Menschen warten leider viel zu lange damit, darüber nachzudenken, was sie in ihrem Leben ändern könnten. Erst wenn die Krise da ist und damit das ganze Lebenskonzept in Frage gestellt wird, wollen sie ganz schnell Veränderung. Und Veränderung ist einer streßbehafteten Krise ist viel schwieriger und schmerzvoller.

    Ich muss oft an einen Spruch von Dr. Gunther Schmidt denken: “Wer irgendwie der Selbe bleiben möchte, muss sich ständig verändern!” – Wohlgemerkt: der Selbe, nicht der Gleiche!

    Herzliche Grüße,
    Marco

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